Themen und Aktivitäten im Sachbereich Entwicklung
Im Sachbereich Entwicklung geht es darum, die Grundoptionen katholischer Soziallehre wie die Option für die Armen, Partizipation, Gerechtigkeit für alle in der Begleitung entwicklungspolitischer Prozesse zur Geltung zu bringen.
Armenorientierung und UN- Millenniumsziele
Justitia et Pax greift die UN-Millenniumsziele (MDG) (www.millenniumcampaign.de) als Chance für eine armenorientierte Entwicklungspolitik auf und will ihre Umsetzung mit einem eigenen Beitrag unterstützen, der das Kernvorhaben im Sachbereich Entwicklung in der kommenden Arbeitsperiode darstellt. Sie bearbeitet dabei folgende Schwerpunkte:
Organisationsfreiheit und informelle Wirtschaft
Einen besonderen Beitrag zur Erreichung der Millenniumsziele stellt das Projekt „Kernarbeitsnormen und informelle Wirtschaft“ dar. Zusammen mit dem DGB (www.dgb.de) arbeitet Justitia et Pax seit 2004 an der Frage, wie das Recht auf Vereinigungsfreiheit für die informelle Wirtschaft umgesetzt werden kann. In der Dokumentation mit dem Titel „Organisieren-nicht resignieren", die als Heft 110 in der Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden veröffentlicht ist, werden Ausschnitte und Kernaussagen dokumentiert. Justitita et pax arbeitet ebenso mit dem Global Labour Institute (www.global-labour.org), sowie dem Exposure und Dialog Programm (www.exposure-dialog.de), der indischen Frauenorganisation SEWA (www.sewa.org) und dem chilenischen Kolpingwerk (www.kolpinglinks.net) zusammen. Zur Festigung der Kooperation und des Engagements der Gewerkschaften wurde ein Exposure- und Dialogprogramm im September 2005 bei SEWA in Indien durchgeführt. Der Dialog geht aktuell weiter mit den Einzelgewerkschaften IG BAU, IG BCE, IG Metall, NGG und ver.di, um die parallelen Entwicklungen der Arbeitsmärkte unter den Vorzeichen der Globalisierung aufzuzeigen und die Brücken der Solidarität und Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd und Ost und West zu erhalten bzw. zu verstärken. Hierzu gehört auch die Stärkung junger Organisationen aus der informellen Wirtschaft, die in ihrer Arbeit soziale Sicherungssysteme, den Aufbau von Verhandlungsmacht und die Stärkung ihrer Vernetzungsarbeit betreiben.
Weitere Dokumente zu diesem Thema: die Broschüre "11 gute Gründe, das IAO-Abkommen zur Heimarbeit zu ratifizieren" und die Orientieruingshilfe "Menschenwürdige Arbeit in der globalisierten Welt", die als PPP eine nutzbare Arbeitshilfe darstellt. (am Textende abrufbar).
Partizipation
Die Beteiligung von Betroffenen insbesondere und die Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Kräften allgemein an politischen Entscheidungsprozessen ist Voraussetzung für eine nachhaltige Verankerung armutsbekämpfender Maßnahmen und deren wirkungsvoller Umsetzung. Die Deutsche Kommission begleitet mit dieser Prämisse die Entschuldungsinitiative HIPC II und die europäischen Beziehungen mit den Afrikanischen, Karibischen und Pazifischen Ländern, wie sie im Cotonou-Abkommen festgelegt sind, auf verschiedene Weise. (Roter Faden Partizipation: Heft 105 der Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden). Der Dialog mit kirchlichen Partnern wurde ausgeweitet und in einem internationalen Workshop "Neue Chancen partizipativer Prozesse in der Entwicklungszusammenarbeit" am 4. und 5. Oktober 2007 vertieft. Die Dokumentation liegt als Heft 114 vor. Der intensive Austausch mit Justitia et Pax Strukturen afrikanischer Länder hebt die Rolle der Kirche in entwicklungspolitischen partizipativen Prozessen hervor. Zur Debatte der politischen Dimension der Partizipation auf der EU-Ebene steht Justitia et Pax im Austausch mit dem Verband entwicklungspolitischer NRO VENRO (www.venro.org), der Dachorganisationen der katholischen Werke in Europa und Nordamerika CIDSE (www.Cidse.org) und dem europäischen NRO- Dachverband CONCORD (www.concord.org).
Agrarhandel
Der weltweite Handel mit Agrarprodukten hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Ernährungssicherheit und damit auf eine Überwindung des Welthungers. Die aktuelle Debatte um die Flächenkonkurenz zwischen der Nahrungsmittelerzeugung und dem Anbau erneuerbarer Energien verstärkt diese vermeintlichen Gräben zwischen Nord und Süd. Aber die Konzepte von „ländlicher Entwicklung“ im Süden und „multifunktionaler Landwirtschaft“ im Norden (DBK/EKD 2003, Nr. 90-101) sind kompatibel, wenn beide eine einseitige Exportorientierung überwinden, den lokalen und regionalen Bezug wieder stärker herausstellen und so auch den ökologischen Erfordernissen Rechnung tragen. Das Vorhaben greift die Widerstände gegen den Abbau von Exportsubventionen auf, die sich mit der Osterweiterung der EU noch verstärken werden, und sucht eine Verständigung v.a. mit den Bauernverbänden. Es zielt darauf ab, Annäherung und mögliche Übereinkunft in der Diskussion um Marktzugangsregelungen, die nachhaltigen und sozialverträglichen Strukturwandel einerseits und armenorientiertes Wachstum andererseits bewirken, zu erreichen. Eine Grundlage der Diskussion ist das gemeinsame Positionspapier von Justitia et Pax, der Katholischen Landvolkbewegung und der Katholischen Landjugendbewegung. Dieses Papier wurde und wird weiterhin diskutiert mit politischen und gesellschaftlichen Gruppen, wie z.B. dem Deutschen Bauernverband und den Ministerien für wirtschaftliche Zusammenarbeit und für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Es ist als Heft 108 der Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden in den Sprachversionen deutsch/englisch und französisch/portugiesisch erhältlich. Der nächste Schritt der politischen Arbeit hierzu ist ein Exposure- und Dialogprogramm in Uganda und Sambia vom 27. März bis 6. April 2009 mit abschließender internationaler Konferenz zum Thema Ernährungssicherheit und Energieversorgung zwischen Eigeninteresse und weltweiter Gerechtigkeit.
GKKE und Armutsberichte
Im Sachbereich Entwicklung spielt eine sinnvolle Aufgaben- und Arbeitsteilung mit der GKKE eine besonders wichtige Rolle. Die GKKE hat die Entwicklungspolitik der Bundesregierung besonders im Zusammenhang mit dem Aktionsprogramm 2015 seit seiner Verabschiedung in jährlichen Berichten kritisch begleitet. (siehe Publikationen: GKKE 30, GKKE 33, GKKE 35, GKKE 37, GKKE 39, GKKE 42, GKKE 45, GKKE 48).
Weitere Themen
Aus der vergangenen Arbeitperiode der Kommission stammt die Positionierung zu den WTO-Verhandlungen in der Doha-Entwicklungsrunde zu TRIPS und gerechtem Welthandel (Publikation "Reform des Welthandels"). Die Kommission Justitia et Pax unterstützt auch die VENRO-Initiative
"Deine Stimme gegen Armut"
(www.deinestimmegegenarmut.de).
VENRO begleitet die Joint Africa European Partnership der Afrikanischen und der Europäischen Union. auch hier engagiert sich die Deutsche Kommission Justitia et Pax. (www.afrikas-perspektive.de).
Die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte, wie sie im Sozialpakt der UN seit 1966 beschrieben sind, gewinnen in der Diskussion um Entwicklungsförderung an Bedeutung. Die Arbeitsgruppe Menschenrechte und Entwicklung beim Forum Menschenrechte (www.forum-menschenrechte.de) gestaltete in den Jahren 2004 und 2008 entsprechende Fachtagungen.
Einschlägige Dokumente
"Vom Stiefkind zum Hoffnungsträger" ![]()
Broschüre "11 gute Gründe, das IAO-Abkommen zur Heimarbeit zu ratifizieren" ![]()
VENRO-Manifest mit Forderungen an die deutsche Regierung ![]()
Orientierungshilfe "Menschenwürdige Arbeit in der globalisierten Welt"
Die Zusammensetzung der Arbeits- und Projektgruppen finden Sie unter „Über uns“ - „Projekt- und Arbeitsgruppen“.